17/08/2026 0 Kommentare
Sommerliche Orgelmusiken 2026
Sommerliche Orgelmusiken 2026
# Musikblog

Sommerliche Orgelmusiken 2026
PROGRAMM 19.08.2026
an der Gerhard-Schmid-Orgel: Dr. Ralf Lützelschwab
Jean-François Dandrieu (1681–1738)
Offertoire
Mary Beth Bennett (*1954)
Ave virgo virginum. Dance
Jean-François Dandrieu (1681–1738)
Offertoire pour le jour de Pâques : O filii et filiae
Rebecca Groom te Velde (*1956)
O filii et filiae
Jean-François Dandrieu (1681–1738)
Magnificat (Plein jeu – Duo – Trio – Basse de trompette – Flûtes – Dialogue)
Jean-François Dandrieu (1681–1738)
Jean-François Dandrieu zählt zu den bedeutenden französischen Orgelkomponisten des Barock. Geboren in Paris, erhielt er seine musikalische Ausbildung vermutlich von seinem Vater und trat bereits als Kind durch seine außergewöhnlichen Fähigkeiten auf der Orgel und dem Cembalo hervor. Mit nur 14 Jahren veröffentlichte er sein erstes Werk, eine Sammlung von Cembalostücken. 1704 übernahm er den Organistenposten an der Kirche St. Merry in Paris, den er bis zu seinem Tod innehatte. Seine Kompositionen verbinden die klanglichen Möglichkeiten der französischen Orgel mit den stilistischen Einflüssen der italienischen und deutschen Musik seiner Zeit. Besonders seine Orgelwerke, darunter drei Sammlungen von Noëls und seine Pièces d'orgue von 1739, zeigen seine Meisterschaft in der Gestaltung von Klangfarben und registrierungstechnischen Raffinessen.
Offertoire
Dieses Werk entstammt Dandrieus Sammlung von Orgelstücken für verschiedene liturgische Anlässe. Das Offertoire war in der französischen Barockorgeltradition ein zentrales Stück während der Gabenbereitung der Messe. Charakteristisch für Dandrieus Stil ist die Verbindung von kontrapunktischer Strenge mit französischer Eleganz und klanglicher Vielfalt. Das Werk zeigt den typischen Aufbau eines barocken Offertoire mit wechselnden Registrierungen, die die unterschiedlichen Klangfarben der französischen Orgel – von den weichen Flötenregistern bis zu den strahlenden Trompeten – zur Geltung bringen.
Mary Beth Bennett (*1954)
Die zeitgenössische US-amerikanische Komponistin Mary Beth Bennett ist vor allem durch ihre vielseitige Tätigkeit als Organistin, Cembalistin und Musikpädagogin bekannt. Ihr Schaffen für Orgel umfasst Werke für den gottesdienstlichen Gebrauch, die sich durch eine Verbindung von traditioneller und moderner Harmonik auszeichnen.
Ave virgo virginum. Dance
Die Komposition Ave virgo virginum („Gegrüßet seist du, Jungfrau der Jungfrauen“) ist ein Marien-Hymnus, der hier in der Form eines Tanzes erscheint – eine ungewöhnliche und reizvolle Verbindung von geistlichem Text und weltlicher Tanzform. Bennett greift damit die alte Tradition der geistlichen Kontratänze auf, bei denen sakrale Texte mit tänzerischen Rhythmen verbunden wurden. Der tänzerische Charakter der Komposition bringt die Freude und den Jubel über die Gottesmutter zum Ausdruck und erinnert an die enge Verbindung von Musik, Tanz und Spiritualität in vielen Kulturen.
Jean-François Dandrieu (1681–1738)
Offertoire pour le jour de Pâques : O filii et filiae
Dieses festliche Offertoire für den Ostertag basiert auf der berühmten Ostersequenz O filii et filiae(„O Söhne und Töchter“), einem franziskanischen Osterhymnus aus dem 15. Jahrhundert. Die Melodie, die in Dandrieus Zeit bereits tief im liturgischen Bewusstsein verankert war, wird von ihm kunstvoll in das französische Orgelgewand gekleidet. Das Stück zeichnet sich durch festliche Registrierungen mit Trompeten und Zungenstimmen aus, die den jubelnden Charakter der Osterbotschaft untermalen. Es handelt sich um ein typisches Beispiel für die französische Kunst des „Variationen-Chorals“, bei dem die gregorianische Melodie in verschiedenen Klangfarben und rhythmischen Gestalten durch die Stimmen wandert.
Rebecca Groom te Velde (*1956)
Rebecca Groom te Velde ist eine US-amerikanische Organistin, Komponistin und Musikpädagogin. Sie erwarb ihre Ausbildung in Orgelperformance an der Seattle Pacific University und der University of Western Ontario, wo sie bei Hugh J. McLean studierte, sowie Komposition bei Jack Behrens. Ihre Studien führten sie mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes nach Deutschland, wo sie bei namhaften Lehrern wie Flor Peeters in Belgien, Michael Schneider an der Kölner Musikhochschule und Almut Rössler in Düsseldorf studierte. Te Velde ist seit 1991 Organistin an der First Presbyterian Church in Stillwater, Oklahoma, und unterrichtet als Adjunct Instructor für Orgel an der Oklahoma City University sowie als Adjunct Professor an der Oklahoma State University. Sie ist Mitherausgeberin der mehrbändigen Anthologie Oxford Hymn Settings for Organists und wurde als Komponistin für die nationale Tagung der American Guild of Organists 2016 in Houston beauftragt. Ihre Werke erscheinen bei renommierten Verlagen wie Oxford University Press, Darcey Press und Santa Barbara Music Publishing.
O filii et filiae
Te Veldes Komposition O filii et filiae ist eine eigenständige Orgelbearbeitung der berühmten Osterhymnenmelodie aus dem 15. Jahrhundert. Das Werk ist in ihrer Sammlung Easter and Ascension innerhalb der Oxford Hymn Settings for Organists erschienen. Im Unterschied zu Dandrieus barocker Kontrapunktik zeigt Te Veldes Bearbeitung den modernen, hymnischen Stil des 21. Jahrhunderts. Die Komposition ist für den gottesdienstlichen Gebrauch konzipiert und verbindet die traditionsreiche Melodie mit einer harmonisch vielfältigen, aber zugänglichen Klangsprache. Te Velde verarbeitet die Osterfreude in einem klaren, aber ausdrucksstarken musikalischen Gewand, das sowohl liturgische Feierlichkeit als auch persönliche Spiritualität transportiert.
Jean-François Dandrieu (1681–1738)
Magnificat (Plein jeu – Duo – Trio – Basse de trompette – Flûtes – Dialogue)
Dandrieus Magnificat-Vertonung folgt der traditionellen französischen Alternatim-Praxis, bei der die liturgischen Verse des Magnificat zwischen gregorianischem Chor und Orgel wechseln. Die einzelnen Sätze sind jeweils für bestimmte Registrierungen konzipiert:
Plein jeu: Volles Werk mit den Grundstimmen, charakteristisch für den französischen Orgelsatz des 17. und 18. Jahrhunderts – klanglich zurückhaltend, aber festlich und feierlich.
Duo: Ein zweistimmiger Satz, der die Klarheit und Durchsichtigkeit der französischen Orgelmusik demonstriert.
Trio: Ein kunstvoller dreistimmiger Satz, der höchste spieltechnische Ansprüche stellt und die verschiedenen Klangfarben der Manuale miteinander kombiniert.
Basse de trompette: Die Trompete im Bass, ein Paradebeispiel für die französische Vorliebe für Zungenregister in der Basslage – kraftvoll und strahlend.
Flûtes: Ein zarter, pastoraler Satz mit den weichen Flötenregistern, der eine kontrastierende Ruheinsel schafft.
Dialogue: Der abschließende festliche Satz, bei dem verschiedene Registergruppen dialogisch einander gegenüber- und miteinander kombiniert werden – ein virtuoses Klangspiel
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