25/08/2026 0 Kommentare
Sommerliche Orgelmusiken 2026
Sommerliche Orgelmusiken 2026
# Musikblog

Sommerliche Orgelmusiken 2026
PROGRAMM 26.08.2026
an der Gerhard-Schmid-Orgel: Kantor Tobias Koriath
PROGRAMM
Johann Sebastian Bach (1685–1750)
Fantasie und Fuge g-Moll, BWV 542
Franz Liszt (1811–1886)
Adagio (Consolation IV) in Des-Dur
Franz Liszt (1811–1886)
Fantasie und Fuge über B-A-C-H
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ERLÄUTERUNGEN ZU DEN EINZELNEN STÜCKEN
JOHANN SEBASTIAN BACH – FANTASIE UND FUGE G-MOLL, BWV 542
Bei Johann Sebastian Bachs Fantasie und Fuge in g-Moll handelt es sich um ein Werk, das in der Forschung seit langem für Diskussionen sorgt, denn die beiden Sätze entstanden vermutlich gar nicht zur gleichen Zeit. Die gewaltige, von düsterer Dramatik durchzogene Fantasie, die mit ihrer improvisatorischen Gestik und ihren kühnen harmonischen Wendungen geradezu virtuos daherkommt, wird von den meisten Musikwissenschaftlern in Bachs frühe Schaffensperiode datiert, möglicherweise sogar in die Weimarer Zeit um 1710. Die Fuge hingegen, die auf einem lebhaften und zugleich streng geführten Thema basiert, zeigt bereits die vollendete kontrapunktische Meisterschaft des reifen Bach und dürfte erst etwa ein Jahrzehnt später, in der Köthener oder sogar schon frühen Leipziger Zeit, ihren Abschluss gefunden haben. Auffällig ist bei diesem Werk die enge thematische Verwandtschaft zwischen den beiden Teilen, denn das fugierte Thema leitet sich unmittelbar aus den klanglichen und rhythmischen Motiven der Fantasie ab, sodass trotz der zeitlichen Distanz eine innere Einheit entsteht. Die Wahl der Tonart g-Moll verleiht dem Stück von Beginn an einen ernsten, leidenschaftlichen und beinahe pathetischen Grundcharakter, der durch die für Bach typische Kombination aus freier, fast phantasieartiger Erfindung und streng durchgeführter Polyphonie noch verstärkt wird. Der Eröffnungsteil der Fantasie besticht durch seine weit ausholenden Läufe und die abrupten Wechsel zwischen leisen, meditativen Passagen und machtvollen, orgelhaften Tutti-Klängen, während die Fuge mit ihrem markanten, von punktierten Rhythmen und Sechzehntelbewegungen geprägten Thema einen unwiderstehlichen Sog entwickelt, der sich in mehreren Durchführungen und Engführungen bis zum triumphalen Schluss hin steigert. Es ist gerade diese spannungsvolle Gegenüberstellung von scheinbarer Freiheit und höchster konstruktiver Ordnung, die das Werk zu einem der bedeutendsten Orgelwerke Bachs überhaupt macht und es zugleich als eines der anspruchsvollsten Stücke des gesamten Barockrepertoires ausweist.
FRANZ LISZT – ADAGIO (CONSOLATION IV) IN DES-DUR
Die vierte Consolation aus Franz Liszts Zyklus "Consolations" – Sechs poetische Gedanken für Klavier, die in den Jahren 1849 bis 1850 entstanden sind, trägt die Tempoangabe "Quasi Adagio" und ist in Des-Dur gehalten, einer Tonart, die bei Liszt häufig für besonders warme, intime und zugleich verklärte Ausdruckssphären steht. Dieses Stück unterscheidet sich grundlegend von dem Bild, das man gemeinhin mit dem virtuosen Klaviervirtuosen Liszt verbindet, denn es ist von einer fast schlichten, liedhaften Einfachheit geprägt und kommt ohne jegliche bravouröse Fingerfertigkeit aus. Im Mittelpunkt steht eine sanfte, melancholisch gefärbte Melodie, die sich über einen schlichten, aber ungemein wirkungsvollen Bass begleitet entfaltet und durch ihre schwebende Ruhe und die feinen harmonischen Verzierungen einen betörenden, fast improvisatorischen Charakter erhält. Die gesamte Komposition atmet eine Stimmung der weisen Gelassenheit und der inneren Einkehr, die an die Klavierstücke von Chopin oder an die späten Werke von Mendelssohn erinnert, jedoch ganz unverkennbar die unverwechselbare Liszt'sche Klangsprache offenbart. Besonders reizvoll ist die harmonische Entwicklung, die immer wieder unerwartete Wendungen nimmt, ohne jedoch die grundlegende tonale Ruhe zu gefährden, wodurch ein Schwebezustand entsteht, der den Hörer in eine Welt der Träumerei und der zarten Empfindungen entführt. Die Bezeichnung "Consolation" – auf Deutsch "Trost" – ist bei Liszt nicht zufällig gewählt, denn die Stücke sollten als poetische Antwort auf die existenziellen Erschütterungen verstanden werden, die er in den vorangegangenen Jahren durchlebt hatte, und die vierte Consolation ist in diesem Zusammenhang vielleicht die ausdrucksstärkste und konzentrierteste der gesamten Sammlung. Anders als die großen sinfonischen Dichtungen oder die virtuosen Etüden verzichtet Liszt hier bewusst auf jede äußere Effekthascherei und stellt stattdessen die rein musikalische Aussagekraft einer einfachen, aber tief empfundenen Melodie in den Vordergrund, was dieses Adagio zu einem der beliebtesten und am häufigsten gespielten Einzelstücke des Zyklus werden ließ.
FRANZ LISZT – FANTASIE UND FUGE ÜBER B-A-C-H
Die Fantasie und Fuge über das Motiv B-A-C-H, die Franz Liszt im Jahr 1855 ursprünglich für die Orgel komponierte und später in einer Bearbeitung für Klavier herausgab, zählt zu den monumentalen Meisterwerken des 19. Jahrhunderts und ist gleichzeitig eine eindrucksvolle Hommage an den großen Johann Sebastian Bach, dessen Musik Liszt zeitlebens verehrte und intensiv studierte. Das Motiv B-A-C-H, das aus den Buchstaben des Komponistennamens abgeleitet wird und in der deutschen Notenschrift die Töne B, A, C und H ergibt, war für Liszt nicht nur ein musikalisches Zitat, sondern ein regelrechtes künstlerisches Programm, denn er sah in diesem Thema die Verkörperung der gesamten abendländischen Musiktradition. Schon die Eröffnung der Fantasie ist von geradezu erschütternder Wucht, denn mit massiven Akkorden und gewaltigen Orgelklängen führt Liszt den Hörer in eine düstere, fast mystisch anmutende Klangwelt, die von Chromatik und extremen dynamischen Kontrasten geprägt ist. Im Verlauf der Fantasie entwickelt sich das B-A-C-H-Motiv zu einer wahren Klangkathedrale, die alle nur denkbaren Register der Orgel und des Klaviers ausschöpft und dabei sowohl die barocke Polyphonie als auch die harmonischen Neuerungen des 19. Jahrhunderts miteinander verschmilzt. Die anschließende Fuge ist ein Meisterwerk der kontrapunktischen Kunst, die in ihrer Struktur an die großen Fugen von Bach selbst anknüpft, jedoch mit den Mitteln der romantischen Harmonik und der ausufernden Dramatik von Liszt angereichert wird, sodass ein einzigartiges Klangerlebnis entsteht, das Vergangenheit und Zukunft der Musik gleichermaßen in sich vereint. Besonders bemerkenswert ist die Art und Weise, wie Liszt das B-A-C-H-Motiv in allen seinen Variationen und Umkehrungen durchführt, es mit anderen thematischen Elementen kombiniert und zu einem atemberaubenden Finale steigert, das an die Apokalyptischen Reiter oder an die Erschaffung der Welt erinnert. Dieses Werk ist nicht nur eine Hommage an Bach, sondern auch ein kraftvolles Selbstbekenntnis Liszts, der sich als Erbe und gleichzeitig als Erneuerer der musikalischen Tradition verstand und der mit dieser Komposition die Grenzen der Orgel- und Klaviermusik seiner Zeit neu definierte, sodass die Fantasie und Fuge über B-A-C-H bis heute als eines der anspruchsvollsten und wirkungsmächtigsten Stücke des gesamten romantischen Repertoires gilt.
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